Zu einem ebenso eindrucksvollen wie bewegenden Geschichtsabend durfte der KKV Hüsten 54 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer am 08. Oktober 2026 im Petrushaus begrüßen. Referent Meinolf Padberg präsentierte einen besonderen englischsprachigen Dokumentarfilm über den Luftangriff der britischen Royal Air Force auf den Sorpedamm im Mai 1943 (Operation Chastise „Unternehmen Züchtigung“) und schlug dabei eindrucksvoll den Bogen zur Zerstörung der Möhnetalsperre sowie zu den regionalen Folgen für das Röhrtal und Hüsten.
Historische Aufarbeitung und Freundschaft als Auftrag
Meinolf Padberg, der seit vielen Jahren eng mit britischen Gedenkstätten wie dem International Bomber Command Center in Lincoln und der Partnergemeinde Branston/Heighington verbunden ist, betonte eingangs das Anliegen seiner Arbeit:
„Neben der geschichtlichen Aufarbeitung geht es vor allem um Völkerverständigung, Versöhnung und ein aktives Bekenntnis zum Frieden in Europa“.
Besonders anschaulich schilderte der Referent die Entstehung des Films, der im Wesentlichen auf den Erinnerungen des 2022 verstorbenen Zeitzeugen Georg Leonard „Johnny“ Johnson beruht – dem damaligen Bomberleiter an Bord jener Avro Lancaster, die den Sorpedamm angriff. Dank Padbergs persönlichem Kontakt zur britischen Museumsleitung durfte der historisch detailgetreue Film als exklusive Vorführung in Hüsten gezeigt werden.
Was wäre gewesen, wenn? Das Röhrtal im Fokus
Ein zentraler Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Simulation der hypothetischen Katastrophe:
Was wäre passiert, wenn der Sorpedamm 1944 gebrochen wäre?
Anders als die Möhnetalsperre besaß der Sorpedamm einen massiven Betonkern mit Erdaufschüttung. Er widerstand den speziellen Abwürfen, obwohl damals bis zu fünf Volltreffer für einen Bruch kalkuliert worden waren. Anhand von detaillierten Höhenkarten verdeutlichte Meinolf Padberg, welche gewaltigen Wassermassen sich im Falle eines Dammbruchs durch das Röhrtal ergossen hätten:
- Ortsteile wie Sundern, Hachen, Müschede und Hüsten wären massiv überflutet worden.
- In Hüsten hätte das Hochwasser nach Berechnungen und historischen Schätzungen weit über die Ruhrwiesen gestanden und das Karolinen-Hospital sowie Wohngebiete bedroht.
- Wären Sorpe- und Möhneflut zeitgleich aufeinandergetroffen, hätte dies im weiteren Verlauf der Ruhr (etwa in Neheim) zu noch verheerenderen Zerstörungen geführt.
Aufruf an Zeitzeugen und Nachkommen
Der Abend klang mit einer persönlichen Note aus: Meinolf Padberg berichtete von Erinnerungen aus seiner eigenen Familie und bat die Anwesenden sowie die Leser um Mithilfe. Gesucht werden weiterhin Berichte, Zeitzeugenanekdoten oder historisches Fotomaterial aus der Zeit rund um die Mai-Tage 1943 in Hüsten und Umgebungsorten.
Der KKV Hüsten bedankt sich herzlich bei Meinolf Padberg für den mitreißenden Vortrag und bei allen Gästen für das große Interesse an diesem Stück Heimatgeschichte.









