
MdEP Birgit Sippel (SPD) zu Gast beim KKV Hüsten
Bei einer mit 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut besuchten Veranstaltung des KKV Hüsten sprach die Europaabgeordnete Birgit Sippel (SPD) am 22. Januar 2026 über die aktuellen Herausforderungen der Europäischen Union – von Handelspolitik über Industrie und Fachkräftemangel bis hin zu Demokratie und Sicherheit.
Ein Schwerpunkt lag auf dem EU-Mercosur-Handelsabkommen. Frau Sippel betonte, dass Handelsabkommen keine Einbahnstraße seien: Europa profitiere sowohl durch Importe als auch durch Exporte. Gerade angesichts des Wegfalls des Russland-Handels, der Unberechenbarkeit der USA und politischer Risiken mit China brauche Europa verlässliche Partner in anderen Weltregionen. Südamerika sei daher ein wichtiger Zukunftsmarkt. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass im Abkommen Schutzklauseln für die europäische Landwirtschaft verankert seien, etwa zu Qualitätsstandards und Importmengen.
Ausführlich ging Frau Sippel auf die industriestrategischen Versäumnisse Europas ein. In Bereichen wie Batterien, Photovoltaik, Mikrochips und Medikamenten habe man sich in den vergangenen Jahren zu stark abhängig gemacht. Die aktuellen Krisen zeigten, dass Europa wieder mehr eigene Produktionskapazitäten aufbauen müsse – ohne sich vom Welthandel abzuschotten.
Ein weiteres Thema war die Bürokratie und Digitalisierung. Frau Sippel plädierte für einfachere Verfahren, mehr Verantwortungsbereitschaft in Verwaltungen und eine konstruktive Fehlerkultur. Als positives Beispiel nannte sie Estland, wo digitale Verwaltung den Alltag der Bürger deutlich erleichtert. Gleichzeitig warnte sie vor den Gefahren von Desinformation und Missbrauch durch Künstliche Intelligenz.
Großen Raum nahm die Diskussion um Fachkräftemangel und Migration ein. Frau Sippel machte deutlich, dass Zuwanderung notwendig sei – nicht nur für akademische Berufe, sondern auch im Handwerk, in der Pflege, im Transport- und Dienstleistungssektor. Gleichzeitig kritisierte sie lange Anerkennungs- und Genehmigungsverfahren sowie mangelnde Integration, die vorhandene Potenziale ungenutzt ließen.
Mit Blick auf die internationale Lage forderte sie ein stärkeres, selbstbewussteres Europa, das Demokratie, soziale Sicherheit und wirtschaftliche Stärke miteinander verbindet. Die EU müsse schneller entscheiden können, enger zusammenarbeiten und klare Kante gegenüber autoritären Tendenzen zeigen.
Die Veranstaltung endete mit einer lebhaften Diskussion und dem Appell, Europa nicht schlechtzureden, sondern aktiv mitzugestalten







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