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September 2026

Europa braucht engagierte Christen

Am 3. September 2026 war MdEP Dr. Peter Liese (CDU) zu Gast beim KKV Hüsten. Sein Vortrag zum Thema „Europa braucht engagierte Christen“ teilte er in folgende Themenbereiche ein:

Engagement für Kirche, Werte und europäische Zusammenhänge

Als katholisch geprägter Christ machte Dr. Peter Liese zu Beginn seines Vortrags beim KKV deutlich, dass engagierte Christinnen und Christen notwendig seien, um die Krisen und Herausforderungen in Deutschland und Europa zu bewältigen. Er würdigte das Engagement kirchlicher Verbände und betonte die Bedeutung einer wertebasierten Politik gerade in Zeiten globaler Krisen.

Die Bedrohung durch Russland und europäische Solidarität

Die europäische Sicherheit werde durch gezielte Angriffe und hybride Einflussnahme herausgefordert. Als Beispiele nannte Dr. Liese Drohnenvorfälle über deutschen Flughäfen sowie einen Sabotageakt an der Strominfrastruktur im Rheinland. Experten führten solche Vorfälle auf die hybride Kriegsführung Russlands zurück.

Positiv hob Dr. Liese die europäische Solidarität hervor, die auch von politisch schwierigen Partnern in Mitteleuropa getragen werde.

Unterstützung der Ukraine als Gebot der Selbstverteidigung

Die Unterstützung der Ukraine sei nicht nur eine humanitäre und wertebasierte Verpflichtung, sondern liege auch im unmittelbaren Eigeninteresse Europas. Eine Kapitulation der Ukraine würde das Risiko eines direkten russischen Angriffs auf NATO-Gebiet deutlich erhöhen – möglicherweise zu einem Zeitpunkt, an dem Europa seine eigenen Verteidigungsfähigkeiten noch nicht ausreichend ausgebaut habe.

Globale Herausforderungen durch China, die USA und Russland

Mit Blick auf die Veränderungen in den politischen und wirtschaftlichen Strukturen der drei großen Mächte China, Russland und USA machte Dr. Liese deutlich, dass Europa diese Herausforderungen nur gemeinsam bewältigen könne. Europa müsse stärker auf die eigene Stärke setzen.

Dazu gehöre insbesondere, den europäischen Binnenmarkt weiter zu vereinheitlichen und damit zu stärken. Auch die gemeinsamen Anstrengungen zur Sicherung von Frieden, Freiheit und unseren europäischen Werten müssten deutlich intensiviert werden.

Vollendung des Binnenmarktes und neue Freihandelsabkommen

Das leichte Wirtschaftswachstum in Deutschland sei vor allem dem starken EU-Binnenmarkt zu verdanken, der teilweise Verluste im Handel mit den USA und China ausgleiche. Um dieses Potenzial vollständig zu nutzen, müssten bürokratische Hürden zwischen den 27 Mitgliedstaaten weiter abgebaut werden.

Darüber hinaus seien internationale Freihandelsabkommen – etwa mit den Mercosur-Staaten sowie mit Indien und Australien – wichtig, um der heimischen Industrie neue Absatzmärkte zu erschließen und zugleich internationale Partnerschaften und geopolitische Bindungen zu stärken.

Arzneimittelversorgung: Europäische Lösungen gegen Lieferengpässe

Auch im medizinischen Bereich sei eine engere Zusammenarbeit der europäischen Staaten sinnvoll. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass insbesondere bei versorgungskritischen Arzneimitteln Engpässe entstehen können.

Mit dem EU-Rechtsakt zu versorgungskritischen Arzneimitteln sollen unter anderem die Versorgung mit Antibiotika, Insulin und Schmerzmitteln verbessert und Lieferketten widerstandsfähiger gemacht werden. Dazu sollen Lieferketten diversifiziert, die gemeinsame Beschaffung durch die Mitgliedstaaten erleichtert und die Produktionskapazitäten für Arzneimittel und Wirkstoffe innerhalb der EU gestärkt werden.

Verantwortung für den Klimaschutz und europäische Instrumente

Die Folgen des Klimawandels seien auch 2026 deutlich sichtbar. Von den Vertragsstaaten des Pariser Klimaschutzabkommens seien nur die USA unter Präsident Trump aus dem Abkommen ausgestiegen. Dies zeige zugleich die schwieriger gewordene Zusammenarbeit der EU mit der US-Regierung.

Positiv sei dagegen die Entwicklung beim europäischen Emissionshandel: Seit seiner Einführung im Jahr 2005 seien die Emissionen in den erfassten Sektoren deutlich zurückgegangen.

Entbürokratisierung und die Rolle der EU-Gesetzgebung

Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene würden Maßnahmen zum Abbau bürokratischer Hürden umgesetzt. Als Beispiel nannte Dr. Liese die Reform der europäischen Lieferkettenrichtlinie, durch die insbesondere kleine und mittlere Unternehmen von umfangreichen Dokumentationspflichten entlastet werden sollen.

Auch wenn die Umsetzung europäischer Vorgaben Zeit benötige, sei die politische Marschrichtung eindeutig: Verwaltungsaufwand müsse reduziert und europäische Regelungen müssten einfacher und praxistauglicher werden.

Europäische Friedensordnung und EU-Erweiterung

Deutschland und Europa stünden an einem Scheideweg. Es bestehe die Gefahr, dass die Europäische Union durch politische Fragmentierung ihre eigene Stärke verspiele und zwischen den großen Machtblöcken zerrieben werde. Dadurch würden bestehende Probleme nicht gelöst, sondern neue Herausforderungen geschaffen.

Zusätzlich erschwerten europafeindliche Kräfte in verschiedenen Mitgliedstaaten die Zusammenarbeit innerhalb der Union.

Deshalb, so Dr. Liese:

„Wir alle sind gefragt! Wir alle sind gefordert! Wir müssen als engagierte Christen für die Demokratie kämpfen, wir müssen uns einig sein mit unseren Nachbarn. Wir entdecken, dass wir nur gemeinsam stark sind, wenn jeder bereit ist, Kompromisse einzugehen. Dann sind wir ein starkes Europa auf Basis der gemeinsamen Werte.“

Die 32 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich sehr angetan von den Ausführungen Dr. Lieses. Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bei der zahlreiche Fragen zu den aktuellen Herausforderungen für Europa und zur Rolle der Kirchen und Christen in Politik und Gesellschaft erörtert wurden.

Besuch NRW Landgestüt und Altstadtrundgang durch Warendorf

Halbtagesfahrt nach Warendorf am 22.08.2026 mit 32 Teilnehmerinnen und Teilnehmern

Am 22. August 2026 machten sich 32 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im komfortablen Reisebus von Hüsten aus auf den Weg ins ostmünsterländische Warendorf – vorfreudig gestimmt auf einen erlebnisreichen Tag voller Kultur, Historie und westfälischer Gastfreundschaft.

NRW-Landgestüt: „Von preußischen Tugenden und Beamten auf vier Beinen“

Pünktlich um 14:00 Uhr begann das offizielle Programm auf dem parkähnlichen Gelände des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts. Die Führung stand unter dem vielsagenden Motto „Von preußischen Tugenden und Beamten auf vier Beinen“.

  • Die Gründung (1826): Die Wurzeln des Gestüts reichen in die preußische Zeit zurück. Nach den Umwälzungen der Napoleonischen Kriege gründete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 28. Juli 1826 das Königlich Preußisch-Rheinisch-Westphälische Landgestüt. Ziel war es, die regional zerrüttete Pferdezucht durch hochwertige Zuchthengste systematisch zu stärken. Die ersten 24 Hengste wurden damals direkt aus Ostpreußen in das beschauliche 4.000-Einwohner-Städtchen Warendorf überführt.

  • Von der Armee zum Leistungssport: Dienten die Pferde im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch primär der Landwirtschaft und dem Militär, wandelte sich der Fokus im Laufe des 20. Jahrhunderts hin zu modernen Sportpferden. Warendorf stieg als Sitz des Landgestüts sowie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) vollends zur weltweiten „Hauptstadt des Pferdes“ auf.

  • Gegenwart: Heute ist die historische Anlage ein Landesbetrieb des Landes NRW. Die dort untergebrachten rund 90 Landbeschäler (Hengste) sind im übertragenen Sinne tatsächlich „Staatsbedienstete“ auf vier Beinen. Neben der Zucht stehen der Erhalt historischer Pferderassen und traditionelle Großveranstaltungen wie die berühmten Warendorfer Hengstparaden im Vordergrund.

Altstadt auf eigene Faust & Führung: „Zwischen Drachen und Katzenköppen“

Nach der Gestütsführung nutzte die Reisegruppe die Gelegenheit, die historische Innenstadt bei mildem Spätsommerwetter auf eigene Faust zu erkunden, bevor der geführte Stadtrundgang auf dem Programm stand.

  • Geschichte der Altstadt: Warendorf blickt auf eine über 1.200-jährige Siedlungsgeschichte zurück. Im Mittelalter stieg die Stadt durch ihre Lage an wichtigen Handelswegen und der Ems zu einem wohlhabenden Mitglied der Westfälischen Hanse auf, wovon der reiche Fundus an mittelalterlicher Architektur zeugt. Trotz großer Stadtbrände (u. a. 1404 und 1741) blieb der mittelalterliche Stadtgrundriss bis heute fast vollständig erhalten.

  • Drachen & Katzenköppe: Der Titel der Stadtführung erschloss sich bei einem Blick nach unten und nach oben:

    • Katzenköppe: So nennt man im Münsterland traditionell das rund geschliffene Kopfsteinpflaster (Wackensplitt) in den engen Altstadtgassen, deren Form an die Köpfe von Katzen erinnert.

    • Drachen: Dieser Begriff nimmt Bezug auf die farbenfrohen, floralen und fabelwesenartigen Fassadenverzierungen, Speier, Giebelmotive und Hauszeichen an den prächtigen Bürger- und Fünfgiebelhäusern rund um den historischen Marktplatz.

Einkehr im „Historischen Brauhaus Warintharpa“

Zum krönenden Abschluss ging es für die 32 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Historische Brauhaus Warintharpa. Bei deftigen westfälischen Spezialitäten und frisch gezapftem Bier klang der Halbtag in geselliger Runde aus.

  • Herkunft des Namens: Der Name Warintharpa markiert die Geburtsstunde Warendorfs. Er stammt aus der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes im Jahr 881 (aus der Zeit der sächsischen Besiedlung). Alt- bzw. mittelniederdeutsch lässt sich der Name zerlegen in:

    • Warin / Wara: Verweist vermutlich auf ein Wehrsystem aus Flechtwerk zur Fischerei in der Ems.

    • Tharpa: Die Urform des Wortes „Dorf“.

    • Übersetzung: Warintharpa bedeutet somit sinngemäß „Das Dorf am Uferdamm / an den Ems-Wehren“.

Vollgepackt mit Geschichte, Kultur und kulinarischen Eindrücken trat die Reisegruppe am Abend im Bus die entspannte Rückfahrt nach Hüsten an.